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Wiener Polizei unter Druck: Verletzungen bei Amtshandlungen stark gestiegen

(Bild: Wiener Polizistinnen und Polizisten bei einer Fußstreife auf der Mariahilfer Straße – Foto: X-Reporter / Initiative Pro Polizei Österreich)

Wenn der Einsatz zur Gefahr wird

Neue Zahlen der Landespolizeidirektion Wien zeigen eine Entwicklung, die sicherheitspolitisch nicht übersehen werden darf: Die Zahl der verletzten Beamtinnen und Beamten bei Amtshandlungen ist seit 2019 deutlich gestiegen. Gleichzeitig ist der Personalstand im Wiener Exekutivdienst gesunken. Genau diese Kombination verleiht der Statistik besonderes sicherheitspolitisches Gewicht.

Nach Auskunft der Polizei Wien gab es im Jahr 2025 insgesamt 1.078 Verletzungen von Beamtinnen und Beamten in der Dienstzeit.

Für unsere Analyse entscheidend sind die Verletzungen während Amtshandlungen: 573 Beamtinnen und Beamte wurden 2025 im Einsatz verletzt, 531 davon durch Fremdeinwirken. Damit wird klar: Ein großer Teil der Belastung entsteht nicht irgendwo im normalen Dienstbetrieb, sondern genau dort, wo die Exekutive einschreitet, kontrolliert, verfolgt, schlichtet oder Festnahmen durchführt.

Dieses Bild wird von der Sicherheit-Zeitung AT unter CC BY-ND lizenziert. Kopieren und Teilen erlaubt, Veränderungen und Beschneiden nicht gestattet.

Mehr verletzte Beamte trotz weniger Personal

Der Vergleich mit 2019 ist besonders aussagekräftig. Damals wurden in Wien 427 Verletzungen bei Amtshandlungen gemeldet, davon 386 durch Fremdeinwirken. Im Jahr 2025 waren es bereits 573 Verletzungen bei Amtshandlungen und 531 Fälle durch Fremdeinwirken.

Das bedeutet: Die Zahl der Verletzungen bei Amtshandlungen stieg von 2019 bis 2025 um rund +34 Prozent. Die Zahl der Fälle durch Fremdeinwirken stieg im selben Zeitraum sogar um rund +38 Prozent.

Noch wichtiger wird diese Entwicklung, wenn man den Personalstand berücksichtigt. Laut Polizei Wien standen im Jahr 2019 insgesamt 6.478 Beamtinnen und Beamte im Wiener Exekutivdienst. Im Jahr 2025 waren es nur noch 6.192. Das entspricht einem Rückgang von rund 4,4 Prozent.

Bild: Verletzungen durch Fremdeinwirken pro 100 Exekutivkräfte im Einsatz. Seit 2019 stieg der Wert in Wien um rund +44 Prozent, während der Personalstand im Wiener Exekutivdienst um rund -4,4 Prozent zurückging. Grafik: Sicherheit-Zeitung / Initiative Pro Polizei Österreich; Datenquelle: Polizei Wien. Dieses Bild ist unter CC BY-ND lizenziert. Kopieren und Teilen erlaubt, Veränderungen und Beschneiden nicht gestattet.

Damit ist ein naheliegender Einwand ausgeräumt: Die Verletzungszahlen steigen nicht deshalb, weil einfach mehr Exekutivkräfte im Dienst wären. Im Gegenteil. Weniger Personal muss mehr verletzungsrelevante Einsatzlagen tragen.

Umgerechnet kamen 2019 rund 6,6 Verletzungen bei Amtshandlungen auf 100 Beamtinnen und Beamte. 2025 waren es bereits rund 9,3 pro 100 Exekutivkräfte. Allein bei den Verletzungen durch Fremdeinwirken stieg der Wert im selben Zeitraum von rund 6,0 auf rund 8,6 pro 100 Exekutivkräfte.

Die Initiative Pro Polizei Österreich hat auf X und Facebook einen Beitrag mit einer kleinen Botschaft veröffentlicht: „Gewalt gegen die Exekutive ist Realität. Jeder zweite Fall entsteht durch Gewalt im Einsatz“

Fremdeinwirken prägt die Einsatzrealität

Besonders auffällig ist der hohe Anteil von Fremdeinwirkung. Im Jahr 2025 wurden 531 von 573 Verletzungen bei Amtshandlungen durch Fremdeinwirkung verursacht. Das entspricht rund 93 % aller Verletzungen im Rahmen von Amtshandlungen.

Diese Zahl muss korrekt eingeordnet werden. Fremdeinwirken bedeutet nicht automatisch in jedem einzelnen Fall eine strafrechtlich vorsätzliche Attacke. Dennoch zeigt die Statistik deutlich: Verletzungen im Einsatz entstehen in Wien sehr häufig durch das Verhalten anderer Personen.

Für die Exekutive ist das ein entscheidender Befund. Wer täglich in konfliktreiche Situationen geht, wer einschreitet, wenn andere weglaufen, randalieren, Widerstand leisten oder Grenzen überschreiten, trägt ein messbares Risiko. Diese Realität wird in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzt.

Auch Polizistinnen sind sichtbar betroffen

Die Polizei Wien erfasst bei Verletzungen auch das Geschlecht der betroffenen Beamtinnen und Beamten. 2019 wurden bei Amtshandlungen 86 Polizistinnen und 341 männliche Beamte verletzt. 2025 waren es bereits 124 Polizistinnen und 449 männliche Beamte.

Damit sind beide Gruppen deutlich betroffen. Die Zahl verletzter Polizistinnen stieg um rund +44 Prozent, jene der männlichen Beamten um rund +32 Prozent. Zugleich ist auch der Frauenanteil im Wiener Exekutivdienst gestiegen: 2019 versahen rund 1.235 weibliche Exekutivbedienstete ihren Dienst in der LPD Wien, 2025 waren es bereits rund 1.480.

Bild: Wiener Polizistin im Dienst. Im Jahr 2025 wurden 124 Polizistinnen bei Amtshandlungen verletzt. Das entspricht einem Anstieg von rund +44 Prozent gegenüber 2019. Trotz des höheren Frauenanteils im Exekutivdienst in Wien stieg auch die Verletzungsrate bei Polizistinnen: von rund 7,0 auf 8,4 Verletzungen pro 100 Beamtinnen. Foto: BMI.

Trotz dieses höheren Personalstands bei den Polizistinnen stieg auch die Verletzungsrate: von rund 7,0 verletzten Polizistinnen pro 100 weibliche Exekutivbedienstete im Jahr 2019 auf rund 8,4 im Jahr 2025. Für die Analyse entscheidend bleibt daher der Gesamtbefund: Verletzungen im Exekutivdienst nehmen zu – und sie treffen die Polizei Wien in ihrer gesamten Einsatzrealität.

Was die Statistik noch nicht zeigt

Die Art der Verletzung wird laut Auskunft statistisch nicht erfasst. Für unsere weitere Analyse werden wir daher ergänzend konkrete Fälle, Einsatzberichte und praxisbezogene Einschätzungen heranziehen, um Verletzungsmuster noch besser einordnen zu können.

Denn für Prävention macht es einen großen Unterschied, ob eine Beamtin oder ein Beamter durch einen Sturz, einen Stoß, einen Schlag, einen Tritt, einen Biss oder durch eine Dynamik im Zuge einer Festnahme verletzt wurde. Auch die Einsatzphase ist wichtig: Passierte die Verletzung während einer Verfolgung, beim Zugriff, bei der Fixierung, beim Transport oder durch einen plötzlichen Angriff?

Eine vollständige Statistik über alle polizeilichen Amtshandlungen wäre in der Praxis derzeit schwer darstellbar, weil darunter bereits routinemäßige Verkehrskontrollen, kurze Einschreitungen oder andere alltägliche Maßnahmen fallen würden. Die Datenmenge wäre enorm und nur schwer vergleichbar. Mit moderner Datenauswertung und „Big Data“-Ansätzen könnte eine präzisere Analyse solcher Einsatzrealitäten in Zukunft jedoch stärker möglich werden. Für die weitere Analyse bleiben daher konkrete Fallverläufe entscheidend: Verfolgungen, Festnahmen, Fixierungen, Angriffe oder Sturzgeschehen zeigen, wo wiederkehrende Risiken entstehen und wo Prävention sowie Einsatztraining der Exekutive ansetzen können.

Bild: Polizei Wien, WEGA und Berufsrettung im Einsatz. Bei männlichen Beamten stieg die Verletzungsrate von rund 6,5 im Jahr 2019 auf rund 9,5 pro 100 männliche Exekutivbedienstete im Jahr 2025. Foto: Initiative Pro Polizei Österreich (Symbolbild)

Mehr Schutz darf kein Nebenthema bleiben

Hinter jeder Zahl steht ein konkreter Fall. Eine Polizistin, die nach einer Amtshandlung im Spital landet. Ein Beamter, der nach einem Widerstand gegen die Staatsgewalt nicht weiterarbeiten kann. Eine Dienststelle, die Ausfälle ausgleichen muss. Kolleginnen und Kollegen, die zusätzliche Last tragen.

Wenn die Zahl der Verletzungen bei Amtshandlungen steigt, während der Personalstand sinkt, ist das kein Randthema, sondern ein Warnsignal. (Initiative Pro Polizei Österreich)

Die Exekutive braucht mehr als Anerkennung in Reden. Sie braucht eine moderne Vorbereitung auf wachsende Gewalt- und Konfliktlagen, klare Einsatzmittel, konsequente Strafverfolgung und eine entwickelte politische Debatte, die Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten nicht verharmlost.

Auch der Blick nach Deutschland zeigt, wie ernst solche Entwicklungen genommen werden müssen. Die Sicherheit-Zeitung hat bereits über Fälle berichtet, in denen Gewalt gegen Polizeibeamte nicht nur zu Verletzungen, sondern tödlich endete – wie im Fall Simon Bohr. Die Justiz muss gegenüber Gewalt gegen Uniformierte konsequent und härter vorgehen und dabei auch eine klare abschreckende Wirkung vermitteln. Der Eindruck, dass Angriffe auf Einsatzkräfte entschuldigt, relativiert oder gesellschaftlich akzeptabel sein könnten, darf nicht entstehen. Andernfalls werden wir in Zukunft noch mehr Polizistinnen und Polizisten durch Verletzungen, schwere Gewalttaten oder Kündigungen verlieren – und genau das kann sich Wien sicherheitspolitisch nicht leisten.

Auch bessere Daten über Amtshandlungen, Verletzungsmechanismen und Einsatzverläufe können dazu beitragen, Risiken genauer zu erkennen und daraus wirksame Prävention abzuleiten.

Die Initiative Pro Polizei Österreich erklärt dazu, dass Gewalt gegen die Exekutive nicht länger als normale Begleiterscheinung schwieriger Einsätze betrachtet werden darf. Wer Polizistinnen und Polizisten tritt, schlägt, beißt, bespuckt, mit Gegenständen bewirft oder im Zuge einer Amtshandlung verletzt, greift nicht nur eine einzelne Person an. Er greift die zivile Ordnung, die Sicherheit der Bürger und den Staat an, in dem wir leben.

Aus Sicht der Initiative Pro Polizei braucht es daher nicht irgendwann, sondern jetzt eine breitere Diskussion über den Schutz der Exekutive. Dabei geht es nicht nur um den Schutz einzelner Beamtinnen und Beamter, sondern auch um die Exekutive als Symbol der Sicherheit und des Rechtsstaates. Eine weitere Destabilisierung der Gesellschaft muss verhindert werden. Dazu gehören eine konsequentere strafrechtliche Reaktion auf vorsätzliche Angriffe, eine enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten sowie eine moderne Weiterentwicklung von Einsatztraining, Selbstschutz und technischen Einsatzmitteln. Auch die Frage, ob nicht tödliche Einsatzmittel, Abstandstaktiken, Bodycams, bessere Schutzausrüstung, neue Einsatzmittel oder neue taktische Standards Verletzungen reduzieren können, muss sachlich geprüft werden.

Bild: Zwei Polizistinnen bei einer Straßenpatrouille. Sicherheitsanalysen können dazu beitragen, zu bewerten, ob die bestehenden Instrumente gegen wachsende Gewaltbereitschaft, Respektlosigkeit und Widerstand im Polizeieinsatz noch ausreichen, um die Verletzungsrate zu senken und die abschreckende Wirkung staatlicher Sicherheitskräfte im öffentlichen Raum langfristig aufrechtzuerhalten. Foto: BMI.

Dabei geht es nicht um eine Abkehr von Verhältnismäßigkeit, Rechtsstaatlichkeit oder Deeskalation. Diese Grundsätze gehören zur Stärke der österreichischen Polizei und haben sie auch international zu einem Vorbild gemacht. Es geht vielmehr darum, ob die bestehenden Instrumente noch ausreichen, wenn Gewaltbereitschaft, Respektlosigkeit und Widerstand gegen Amtshandlungen zunehmen.

Eine bürgernahe, verhältnismäßige sowie stark auf Deeskalation und Sympathie ausgerichtete Polizei darf nicht bedeuten, dass Polizistinnen und Polizisten im Einsatz ein immer höheres persönliches Risiko tragen müssen.

(Janetschek, Chefredakteur & Moderator)

Die Realität auf der Straße verändert sich. Streifen, Bereitschaftseinheiten und Einsatzkräfte erleben diese Entwicklung unmittelbar. Deshalb müssen auch Ausbildung, Taktik, Ausstattung, statistische Analyse und Strafrecht mit der Realität Schritt halten. Wer die Exekutive schützen will, muss zuerst verstehen, wo und warum ihre Angehörigen verletzt werden.

Dabei geht es nicht nur um körperlichen Schutz, sondern auch um die Frage, ob die notwendige Autoritäts- und Abschreckungswirkung der Exekutive im öffentlichen Raum langfristig erhalten bleibt. Uniform, Präsenz und staatliche Autorität müssen weiterhin klar vermitteln, dass Gewalt, Widerstand und Angriffe gegen Polizistinnen und Polizisten konsequente Folgen haben.

<<Schrecken wir potenzielle Gewalttäter noch ausreichend ab – oder immer weniger?>>, fragt sich Janetschek.

Neuer Fremdgewalt-Index

Der neue Fremdgewaltindex der Sicherheit-Zeitung verbindet drei Faktoren: Verletzungen durch Fremdeinwirken bei Amtshandlungen, den Personalstand im Exekutivdienst und die Zahl der polizeilichen Einsätze. Damit zeigt der Index nicht nur, wie viele Exekutivbedienstete verletzt wurden, sondern setzt diese Fälle auch in Verhältnis zur Einsatzbelastung und zur Zahl der aktiven Kräfte.

Für Wien wurde 2020 als Basisjahr mit dem Indexwert 100 gewählt, weil für dieses Jahr alle drei Vergleichsdaten vorliegen. 2020 wurden 389 Verletzungen durch Fremdeinwirken bei Amtshandlungen registriert. Gleichzeitig standen 6.583 Beamtinnen und Beamte im Wiener Exekutivdienst. Aus 1.195.821 Notrufen resultierten 431.158 Einsätze.

Im Jahr 2025 wurden 531 Verletzungen durch Fremdeinwirken bei Amtshandlungen gemeldet. Der Personalstand im Wiener Exekutivdienst lag bei 6.192 Beamtinnen und Beamten. Aus 1.085.380 Notrufen resultierten 454.507 Einsätze. Auf Basis dieser drei Faktoren steigt der Fremdgewaltindex der Sicherheit-Zeitung für die Polizei Wien von 100 im Jahr 2020 auf rund 138 im Jahr 2025. Das entspricht einem Anstieg von rund +38 Prozent.

Bild:Fremdgewalt-Index der Sicherheit-Zeitung. Berechnung: (Fremdeinwirkungsverletzungen ÷ Einsätze × 100.000) ÷ (Personalstand im Exekutivdienst ÷ 100). Basisjahr 2020 = 100, Vergleichswert – kein Zielwert. Datenquelle: Polizei Wien – Grafik: Sicherheit-Zeitung / Pro Polizei Österreich. Dieses Bild ist unter CC BY-ND lizenziert. Kopieren und Teilen erlaubt, Veränderungen und Beschneiden nicht gestattet.

Die Redaktion der Sicherheit-Zeitung wird diesen Index künftig berücksichtigen, um Gewalt, Aggression und wachsende Konfliktbereitschaft gegenüber der Exekutive sowie im öffentlichen Raum besser sichtbar zu machen. Der Index bildet nicht die gesamte Realität der Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten ab. Drohungen, Einschüchterungen, Beschimpfungen, Beleidigungen oder aggressive Zwischenfälle ohne dokumentierte Verletzung sind darin nicht vollständig enthalten. Dennoch liefert er eine wichtige relative Messgröße für jene Fälle, in denen Gewaltbereitschaft bereits zu Verletzungen im Einsatz geführt hat.

Für unsere Zeitung und die Initiative Pro Polizei Österreich bleibt damit ein klarer Auftrag: genauer hinsehen, weiter auswerten und öffentlich benennen, was die Einsatzkräfte auf der Straße erleben. Eines steht schon jetzt fest: Die Belastung der Wiener Polizei steigt. Das darf nicht zur Normalität werden.

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