1926 wurde in Wien das Auto einer Aktiengesellschaft gestohlen. Wenig später hörten Menschen in Wien und Umgebung im Radio davon. Als Gendarmen den zurückgelassenen Wagen fanden und die Radiomeldung hörten, verständigten sie die Wiener Polizei binnen Minuten. Die „Illustrierte Kronen-Zeitung“ erzählte den Fall im August 1926 unter der Überschrift „Detektiv Radio!“. Medien und Telekommunikation konnten schon vor hundert Jahren eine Fahndung unterstützen.
Ein Dieb fährt aus Wien hinaus
Der Dieb hatte Wien mit dem Wagen verlassen. Bei Perchtoldsdorf hielt er an, nahm zwei Reserveräder, den Vergaser und das Boschhorn mit und flüchtete zu Fuß ins Gebüsch. Den Wert des zurückgelassenen Autos bezifferte die Zeitung mit 18.000 Schilling.
Die Wiener Polizei nutzte für die Fahndung auch das Radio, um die Nachricht vom gestohlenen Wagen rasch zu verbreiten. Um 19 Uhr ging die Meldung über die RAVAG auf Sendung. Ihr Rundfunkbetrieb hieß damals „Radio Wien“. So erreichte die polizeiliche Information nicht nur Menschen in Wien und Umgebung, sondern auch den Gendarmerieposten Liesing, wo ein Radio eingeschaltet war. Die Beamten brachten die Durchsage mit dem entdeckten Wagen in Verbindung und verständigten die Wiener Polizei telefonisch. Zwischen Radiomeldung und Anruf lagen laut Zeitung nur fünf Minuten.

Fünf Minuten nach der Durchsage erhielt die Wiener Polizei aus Liesing den entscheidenden Telefonanruf.
Die damalige Zeitung gab dem Rundfunk dafür den Beinamen „Detektiv“. Tatsächlich wirkten mehrere Dinge zusammen: eine öffentlich verbreitete Beschreibung, aufmerksame Zuhörer bei der Gendarmerie und die unmittelbare Rückmeldung per Telefon. Der Bericht dokumentiert, dass das Auto gefunden wurde. Über eine Festnahme des Diebes berichtet er nicht.
Gerade diese Grenze macht den Fall anschaulich. Eine Fahndungsmeldung kann nur dann helfen, wenn jemand das Gesuchte erkennt und seine Beobachtung weitergibt. 1926 waren es hier Gendarmen. Zugleich eröffnete das Radio der Bevölkerung die Möglichkeit, eine solche Nachricht überhaupt zeitnah zu erfahren.
Die Polizei erklärt Verkehr im Film
Ein weiterer Zeitungsausschnitt aus jener Zeit trägt die Überschrift „Die Polizei filmt“. Er berichtet von einem Verkehrsfilm, den die Wiener Polizeidirektion herstellen ließ. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer sollten sehen, welche Gefahren Unachtsamkeit im Straßenverkehr auslöst und wie sich Unfälle vermeiden lassen. Die Zeitung schrieb mit ihrem typischen Spott über Strafmandate und Wiener, die Verkehrsvorschriften allzu locker nähmen.

Hinter dem humorvollen Ton stand ein ernster polizeilicher Gedanke: Regeln mussten Menschen erreichen, bevor etwas passierte. Der Film zeigte Verkehrssituationen nicht bloß auf Papier, sondern auf Wiens Straßen und auf der Leinwand.
Beide Zeitungsausschnitte erinnern an zwei Seiten der Polizeiarbeit vor hundert Jahren. Die Radiomeldung half, eine Spur schneller zuzuordnen. Der Film sollte Gefahren verständlich machen und Unfälle verhindern. Beides war auf Menschen angewiesen, die zuhörten, hinsahen und Informationen ernst nahmen.
Das bleibt aktuell: Wer der Polizei eine konkrete Beobachtung rechtzeitig mitteilt, kann helfen, Taten und Täter zu bremsen.
Und die Medien? Nutzen sie ihre Reichweite hundert Jahre später noch, um Fahndungen zu verbreiten und Hinweise aus der Bevölkerung zur Polizei zu bringen?
(Die Initiative Pro Polizei Österreich)
„Detektiv Radio!“ – Illustrierte Kronen-Zeitung, 14. August 1926 (in modernem Deutsch)
Diebesgut mithilfe des Radios erkannt
Wir leben im Zeitalter der Geschwindigkeit. Die Redensart „Geschwindigkeit ist keine Hexerei“ war früher nur ein Trick geschickter Taschenspieler und Zauberkünstler. Heute gilt sie allgemein. Der Übergang von gemächlicher Langsamkeit zu atemberaubender Schnelligkeit vollzog sich so rasch und zugleich so reibungslos, dass wir ihn kaum noch bemerken. Erst einzelne Fälle machen deutlich, in welchem Tempo unser Leben inzwischen verläuft. Dazu gehört eine Diebstahlsgeschichte, in der das Radio gleichsam die Rolle eines geschickten Detektivs übernahm.
Vor dem Verkehrsamt der Polizeidirektion am Deutschmeisterplatz stand ein Auto, das einer Aktiengesellschaft gehörte. Der genaue Firmenname ist im Bild schwer lesbar. Der Wagen war unbeaufsichtigt. Früher hätte ein Dieb bei einem mit schwerem Gepäck beladenen Lastwagen vielleicht die Pferde angetrieben. Diesmal sprang er ins Auto, startete den Motor und fuhr davon. So schnell ließ sich der Diebstahl zunächst nicht verhindern.
Auch die Polizei nutzte inzwischen moderne Technik. Neben Telegraf und Telefon stand ihr nun das Radio für die kriminalpolizeiliche Arbeit zur Verfügung. Um 19 Uhr teilte die RAVAG ihren Hörerinnen und Hörern in Wien und Umgebung die Geschichte des Autodiebstahls mit.
Der Dieb hatte inzwischen einen Fehler gemacht. Statt nur den Tatort zu verlassen, wollte er auch den Polizeirayon Wien hinter sich bringen. Offenbar handelte es sich um einen wenig erfahrenen Dieb, der nicht wusste, was er mit dem rund 18.000 Schilling teuren Auto anfangen sollte. Bei Perchtoldsdorf hielt er an, stahl zwei Reserveräder, den Vergaser und das Boschhorn und verschwand zu Fuß im Gebüsch.
Das zurückgelassene Auto wurde bald entdeckt. Der Gendarmerieposten Liesing verfügte selbst über ein Radio. Die Beamten hörten die Meldung. Fünf Minuten nach der RAVAG-Durchsage erhielt die Wiener Polizei aus Liesing die telefonische Nachricht, dass sich das gesuchte Auto dort befinde. Das Radio hatte bei der Aufklärung geholfen.
(Hauptbild: „Das rote Auto“, historische Zeichnung zu einer Radiofahndung nach einem roten Fiat im Jahr 1926. Quelle: Zeitschriftensammlung, Archiv des Wiener Kriminalmuseums; Foto: Initiative Pro Polizei Österreich)
































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